Sonntag, 12.06.2011 (Pfingsten)

Nach etwas mühseliger Nacht in rustikaler Umgebung Aufstehen um 7h30. Frühstück mit den nach und nach aus ihren Gemächern auftauchenden Lernwilligen zum Frühstück, wie immer liebe- und fantasievoll zubereitet von Hausherr Nicolas (der sich aber auch nicht scheut, seiner Klientel Tees aus gerade dem Boden entrissenem Thymiangestrüpp anzupreisen). Traumhafte Brotsorten und Marmeladen, selbst gebackenes von zu Hause – der Tag fängt gut an.

Um neun gehe ich auf Reisen; der Malkurs beginnt um 9h30. Wieder der Horrortrip über den mit aus der Piste ragenden Steinblöcken und Querrinnen übersäten, steil nach oben führenden Weg, dann darf TomTom die Regie übernehmen, um mich über Sault und Nyons zu meinem ersten Etappenziel Dieulefit zu bringen. Dieulefit – der Name ist schon ein erster Hinweis auf das einstmalige Rückzugsgebiet der Hugenotten im Diois und Vercors, le Désert ein anderer; hier hatten die allenthalben Verfolgten ihre Verstecke, ihre geheimen Kirchen, ihr Leben in der „Wüste“ wie weiland Jesus Christus. Zweieinhalb Stunden sind nötig, um die kurze Strecke von gut einhundert Kilometer durch die Baronnies zurückzulegen, reichlich versehen mit Kurven bei ständigem Auf und Ab.

In Dieulefit ist seit gestern ein dreitägiger Töpfermarkt, der offensichtlich tausende von Besuchern angezogen hat. Stop and go, Umleitungen – nichts bleibt dem Ankommenden erspart. Wie ich erfahre, ist D. ein Zentrum der Töpferei und offenbar weithin bekannt für seine Produkte, farbenfroher als hier im Var. Da ich zu früh bin, fahre ich gleich durch nach Le Poët-Laval, um mir dort in Ruhe das Hugenottenmuseum am Start des Fernwanderwegs anzusehen. Le Poët-Laval, eines dieser hoch an die Felsen geklebten Bergdörfer mit weitem Blick über das Tal, verwinkelte Gassen, die sich kreuzen, den Eindringling in die Irre führen, aber immer wieder dazu reizen, den Fotoapparat zu zücken. Gelobt sei der Erfinder der Digitalkamera, die es erlaubt, jegliches Zuviel wieder zu löschen (...)

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