Logbuch: Montag, 9. Juni

08.00 Uhr Weckruf, Frühstück und Körperpflege. 10.15 Uhr Gruppenfoto der vor der Abreise vom Martin-Luther-King-Center und Weiterreise nach Susa. Dank unseres Navigators "Chicco" erreichen wir die Waldenserkirche in Susa, um dort Pastor Davide Rostan, zu treffen, der uns ein bisschen von der hiesigen Geschichte erzählt und einen kurzen Rundgang mit uns durch das Dorf macht.

13 Uhr Abfahrt nach Novalesa. Doch leider war das Kloster für Besichtigungen geschlossen und so machen wir uns auf in den Wald, um zu den Wasserfällen zu wandern. Ein wunderbarer Ort, inmitten der unberührten Natur, geradezu perfekt um sich zu etwas zu entspannen. Die einzigen, die hier nicht gebadet haben, waren: Tania, Malte und Chicco - „...aus Respekt vor der Natur" (Zitat Chicco). Nach dem Mittagessen am Wasserfall, folgt natürlich eine Siesta. Dann steigen wir in unseren Minibus und verlassen Moncenisio mit dem Auto und diesmal nicht zu Fuß, denn es blitzt und donnert gewaltig um uns herum. Der Wille war stark, aber die feindliche Natur hat uns außergewöhnliche Hindernisse in den Weg , den "Waldenser-Pfad", gelegt. Unser weiser Begleiter aus Deutschland, hat uns jedoch beruhigt und versichert, dass wir im Auto im Faradayschen-Käfig in Sicherheit sind. Oben auf dem Pass haben wir eine Schokoladen Pause mit Blick mit Seeblick eingelegt. Das Ägyptische Museum von Moncenisio war leider ebenfalls geschlossen. Dann ging es hinab nach Lanslebourg. Doch nachdem wir jeden Winkel des Ortes nach unserer Herberge erfolglos abgesucht hatten, kamen wir zu der Erkenntnis, dass wir diese bereits passiert haben müssen und sind dann Dank des großartigen Orientierungssinns unserer Begleiter wieder den Hügel hinauf. Sobald wir an der Herberge ankamen, schlugen wir uns mit typischen „savoyer Spezialitäten" die Bäuche voll. Um Panna glücklich zu machen, spielten wir vor dem Schlafengehen noch eine Runde "Präsident" - doch bei diesem Kartenspiel ist Panna immer konsequent „der Dumme" gewesen. Allen eine Gute Nacht alle.

Logbuch: Dienstag, 10. Juni 2014

Der Tag beginnt um halb neun mit einem herzhaften Frühstück, gefolgt von „Momenten der persönlichen Isolation" - dank der Entdeckung des Wi-Fi. Es ist ein richtig schöner Tag, und wir lassen uns vor der Abfahrt noch ein wenig Zeit, um draußen ein paar Fotos zu schiessen. Unser Minibus"Trafic" erweist sich als ein idealer Ort um zusammen zu singen - bis die deutsche Gruppe schliesslich einschläft. Panna setzt seine sportliche Fahrt unvermindert fort, so dass wir schliesslich gegen 14 Uhr in Genf ankommen. Eigentlich war ein Zwischenstop in Annecy vorgesehen, doch den mußten wir auslassen, da wir mit unserem Zeitplan bereits im Verzug waren. In Genf erwartet uns Alessia Bellion, unse Stadtführerin. Als Mittagessen lassen wir uns gegen 15.30 Uhr einen leckeren Kebab schmecken und gestärkt geht's weiter ins Zentrum. Wir sehen die Reformationsmauer, die Kathedrale St. Pierre und Calvin's Oratorium, wo einst Calvin für einige paar Monate predigte, und heute verschiedene Kulturen beheimatet sind, darunter auch die Waldenser. Schließlich erreichen wir das Seeufer, ein wenig enttäuscht, nicht die berühmte Wasserfontäne zu sehen. Doch nach ein paar Minuten ist sie plötzlich da und schießt das Wasser 140 m hoch in den Himmel! Wir machen noch schnell ein paar Fotos, doch dann ist es wirklich an der Zeit zu unserem Minibus zurückzukehren, denn die Wolken werden schwarz und schwärzer. Gerade als wir die Hauptstraße erreichen fängt es an zu schütten. Ohne Regenschirm erreichen wir den Parkplatz - alle sind pitschnass, aber glücklich. Wir fahren in Richtung Annemasse Gaillard, wo sich unser Hotel Première Classe befindet. Es ist zwar einfach, aber komfortabel, und finanziell günstig gelegen, da es sich in Frankreich, aber nicht weit von Genf befindet. Die Suche nach einem Restaurant für's Abendessen gestaltet sich jedoch schwieriger als geahnt und nach einem Spaziergang durch diesen "von Gott verlassen Ort", kehren wir zurück zum „No Limits Restaurant" in der Nähe des Hotels. Zurück im Zimmer, sprechen wir über Religion und spielen Karten.

  • Bei_der_Abfahrt
  • Mittagspause

Logbuch: Mittwoch, 11. Juni

Um 8 Uhr klingelt der Wecker. Das Frühstück lassen wir heute ausfallen, um um unsere extra Ausgaben vom Vortag auszugleichen. Wir verputzen lediglich ein paar Kekse auf dem Weg nach Genf, wo wir uns mit Luke Pasquet auf der Place de la Neuve treffen und dann geht's gemeinsam mit ihm weiter in Richtung Zentrum. Unterwegs zeigt er uns einige Sehenswürdigkeiten: unter anderem die längste Sitzbank Europas, das Wohnhaus von Calvin, und das Rathaus. Um 11:30 Uhr ist es an der Zeit, unsere deutschen Freunden zum Bahnhof zu begleiten. Ein mutiges Parkplatzmanöver von Panna, dann betreten wir den Bahnhof. Umarmungen und Küsschen sowie ein letztes Gruppenfoto - wie emotional!

Es folgt ein Besuch im „Musée International de la Réforme" wo wir dank Luca in kurzer Zeit durchkommen, ohne jedoch die wichtigen Attraktionen des Museums zu versäumen. Dann macht sich der Hunger bemerkbar und so beschliessen wir, uns in den Park der Universität zu setzen und etwas zu essen. Die Mittagspause ist sehr lustig und kurzweilig: wir erzählen von unseren Reiseerlebnissen und der Begeisterung aller Teilnehmer. Wir verabschieden uns von Luca und machen noch einen Abstecher zu Starbucks um einen guten Kaffee und ein paar Smoothies zu trinken, bevor wir weiterfahren. Um 17.30 Uhr treten wir die Rückkehr an, nach dem wir beim Verlassen des Parkplatzes etliche Franken an die Schweizer bezahlt haben! Wir reden, singen und schlafen und kommen schließlich in Moncenisio an, wo wir einen kurzen Stop einlegen, bevor es weiter geht und wir schliesslich um 23 Uhr in Torre Pellice ankommen.

Logbuch:25. Juni 2014

Fazit: „Es sind nicht die Menschen, die die Reisen machen; es sind die Reisen die den Menschen machen", schrieb einst der Nobelpreisträger John Steinbeck.

Eine Reise auf den Pfaden der Waldenser auf dem Weg ins Exil, oder auf denen der Rückführung ist sicherlich ein einmaliges Erlebnis. Wenn man darüber nachdenkt, was diese Wege für Menschen, die lange vor uns gelebt haben, bedeutet haben müssen, so ist das zweifellos sehr bewegend. Wenn man dies noch in einer Gruppe erlebt, wird es zu einem ein ganz speziellen Erlebnis. Man wächst an seinen eigenen Gedanken und Überlegungen, aber auch an denen, die die anderen Mitreisenden machen. Man lernt seine Gedanken und Geschichten zu teilen, so wie seinerzeit die Exilsuchenden ihre Sorgen und Hoffnungen teilten. Das ist es, was aus Alexandra, Andrea, Federico, Friederike, Gabriele, Giulia, Laila, Malte und Tania neue Menschen gemacht hat: Dank dem Buch von Samuele Tourn Boncoeur und Albert de Lange und Dank des Waldenser-Kulturzentrums sowie der Jugendvereinigung „Giovani e Territorio" hatten sie die Gelegenheit diese Gedanken zu teilen. Jemand schrieb, dass es die Menschen sind, die die Geschichte schreiben, dann ist es folglich nur richtig, dass Menschen die Geschichte am besten nachvollziehen, wenn sie sie am eigenen Leib erfahren, und nicht nur durch ein Buch.

Giulia Sappè