Nachdem der Hugenotten- und Waldenserpfad in mehreren Teilstrecken 2010 eröffnet wurde, wächst in uns eine Idee: warum nicht mal „pilgern“ - am liebsten gleich die ganze Strecke. Da wir aber nicht so viel Zeit haben und noch dazu zwei Kinder, von denen eins im Kinderwagen sitzt, scheiden die Alpen für dieses Jahr aus. Daher entscheiden wir uns, den Pfad von Nord nach Süd in Angriff zu nehmen.
Start ist am 28.8.2010 in Bad Karlshafen. Ziel ist Marburg, 13 Tagesetappen und ca. 200 km entfernt.
Andrine mit ihren 18 Monaten bekommt ein gemütliches Plätzchen im umgebauten, geländegängigen Fahrradanhänger. Lea Marie (6) ist von der Idee des Wanderns begeistert. Sie schnürt ihre Wanderstiefel und packt ihren Rucksack. Papa bekommt einen großen Kleiderrucksack und Mama einen Essensrucksack.
Die Oma Thea Müller entschließt sich überraschend auch noch mit zu kommen. Somit sind drei Generationen auf historischen Pfaden unterwegs.
Auf unserer Strecke werden wir immer wieder von netten, ortskundigen und interessanten Menschen empfangen, begleitet oder verköstigt.

Uns hat es beeindruckt, mit wie viel Herzlichkeit wir überall empfangen werden und dass das Interesse an ein paar „verrückten Wanderern“ so groß ist.

So haben wir viel über die jeweiligen Ortschaften und die Ortsgeschichten erfahren, aber auch über aktuelle Probleme. Es hat uns erstaunt, wie viele Menschen sich mit der Geschichte der Waldenser und Hugenotten beschäftigen.

Beim Start in Bad Karlshafen werden wir mit Schal und Pfefferminzdose ausgestattet, sie sollen uns nach Marburg begleiten.

Gleich auf unserer ersten Etappe werden wir von Dorothe Römer und ihrem Hund Pinot begleitet. Dies ist ein wahrer Glücksfall, denn die offizielle Markierung des Pfades fehlt im Reinhardswald („hessisch Sibirien“) noch, gleichzeitig ist Lea Marie sehr damit beschäftigt, Pinot zu führen - oder Pinot doch eher Lea Marie?!?

Dieser Abschnitt ist auch der unwegsamste Teil unserer Wanderung. Wir müssen unseren Wagen wiederholt über Bäume und Bäche tragen oder durch den Matsch schieben.

Von Gottstreu, mit geführtem Museums- und Kirchenbesuch sind wir dann auf historischen Pfaden unterwegs zur Sababurg. Wir „Süddeutschen“ sind doch etwas überrascht, dass es an der „Grenze zu Norddeutschland“ über 1 Stunde nur bergauf geht.

Dazu regnet es von Gieselwerder bis Hofgeismar in einem fort, so dass wir froh sind uns in Hofgeismar im Stadtmuseum bei Kaffee, Plätzchen und einer privaten Führung zu trocknen. Danach wird das Wetter auch tatsächlich besser.

Weiter geht es über Kelze zum nächsten Hugenottenort Leckringhausen, wo uns ein kräftiger Imbiss und eine Führung durch das Hugenottenstübchen erwarten.

In Naumburg (kein Waldenserort) werden wir erst einmal ausgebremst – das Rad von Andrines Gefährt muss geflickt werden! Doch mit der Hilfe unseres Zimmervermieters bereitet dies keine größeren Probleme.

An den nächsten Tag führen unsere Etappen entlang des Edersees. Kurz vor Louisendorf stoßen wir dann auf die erste offizielle Markierung des Hugenotten- & Waldenserpfades. Wir werden bereits erwartet und mit Sekt aus der Partnerstadt Die und selbstgebackener Quiche Lorraine beköstigt.

Auf unserer nächsten Tagesetappe haben wir wieder ortskundige Führer. Willi Buttler und Gerlinde Kopecky-Pelzetter begleiten uns bei herrlichem Sonnenschein von Louisendorf bis Frankenberg.

Doch bereits auf der nächsten Wegstrecke regnet es wieder in Strömen. Andrine bleibt in diesen Regentagen gerne in ihrem Wagen in ihrem Wagen – sie hat wohl erkannt, dass das der trockenste und beste Platz ist. Wir sind dankbar für die heiße Erbsensuppe und das selbstgebackene Backhausbrot im trockenen Hugenottenstübchen in Wiesenfeld (Waldenserort).

Für den weiteren Weg haben wir uns für die Schleife vom Christenberg über Schwabendorf entschieden. Auf dem Christenberg werden wir bei noch immer strömendem Regen von Gerhard Badouin erwartet, der mit uns über die Franzosenwiesen bis Schwabendorf wandert. Unterwegs bekommen wir gleich noch eine Einführung im Steinpilze sammeln.

Nun steht auch schon die letzte Etappe unserer Wanderung von Schwabendorf nach Marburg an. Am 9.9.2010 erreichen wir stolz, glücklich, erholt und ohne Blasen Marburg.

Dort werden wir von Fr. Dr. Buchenauer und einem Empfangskomitee erwartet und erhalten die Wandernadel der Region Burgwald.
Wir haben unsere „Idee des Pilgerns“ als sehr positive Erfahrung empfunden, mit vielen interessanten Eindrücken und Begegnungen, aber auch der Zeit zum Nachdenken und Zuhören. Dies haben auch unsere Kinder sehr genossen.
Überrascht hat uns das große Interesse an uns, den „ersten offiziellen Wanderern“. Dies hat sogar die lokale Presse mit mehreren Artikeln aufgegriffen.

Der Wegverlauf war insgesamt sehr abwechslungsreich, mit Kinderwagen war das Vorankommen an manchen Stellen jedoch etwas schwierig.