MÜHLACKER/ENZKREIS. Vom Dienstag, 18. August, bis Freitag, 21. August, gehört der Enzkreis-Pavillon auf der Gartenschau Mühlacker den Waldensern und Hugenotten: Die Waldenserorte auf dem europäischen Kulturfernwanderweg stellen dort ihr Kulturerbe und ihre örtlichen Besonderheiten vor. Präsentiert wird aber nicht nur der geschichtliche Hintergrund, sondern es gibt auch viele spannende Angebote zum Mitmachen für Kinder und Erwachsene: Film- und Fotoschauvorführungen, Vorträge, Lesungen, ein Rate-Quiz, eine Stoffdruckwerkstatt, Spiele und vieles mehr. Auch die Deutsche Waldenservereinigung und der „Verein Hugenotten- und Waldenserpfad" werden sich mit einem Stand präsentieren. Wanderfreunde können den Routenführer „Der Hugenotten- und Waldenserpfad in Baden-Württemberg" am Stand erwerben.

Unter der Überschrift „Auf den Spuren der Hugenotten und Waldenser" ist vier Tage lang eine gemeinsame Ausstellung der Waldenserkolonien im Kraichgau und Heckengäu zu sehen. Dazu gibt es ein Quiz rund um die Geschichte der Glaubens-Flüchtlinge. Am Dienstag, 18. August, stellen die Deutsche Waldenservereinigung und die Gemeinde Ötisheim das Waldensermuseum „Henri-Arnaud-Haus" in Schönenberg vor. Außerdem wird um 12 Uhr und 15 Uhr der Film „Die Waldenser" gezeigt. Bei einer Mitmachaktion können ganztägig
Leinenstoffe bedruckt werden - eine gängige Handwerkstechnik der Hugenotten.

Einen Tag später, am Mittwoch, 19. August, stellen sich ebenfalls im Enzkreis-Pavillon unter dem Motto „Die Spuren der Waldenser im Heckengäu" die Orte Calw, Neuhengstett, Simmozheim, Perouse und Heimsheim vor. Von 10 bis 11 Uhr und von 15 bis 16 Uhr präsentiert der Heimat- und Geschichtsverein Burcet die Waldensertracht Neuhengstett aus dem 18. Jahrhundert. Um 11 Uhr und 14 Uhr wird außerdem nochmals der Film „Die Waldenser" gezeigt. Um „Die Waldenser im Kraichgau" geht es dann am Donnerstag, 20. August. Hier wird die Geschichte der Glaubens-Flüchtlinge in Groß- und Kleinvillars erzählt, wo die Tradition bis heute mit dem „Welschefest" lebendig gehalten wird.

Zum Abschluss können die Besucherinnen und Besucher der Gartenschau am Freitag, 21. August, dann im Enzkreis-Pavillon kleine Kartoffeln mit Quark verkosten; der waldensische Kaufmann Antoine Seignoret aus Wurmberg hatte die Kartoffel einst nach Württemberg gebracht. Für Kinder gibt´s außerdem ein Quiz und ein Puzzle mit dem Waldenser-Wappen.

Zum geschichtlichen Hintergrund: Im ausgehenden 17. Jahrhundert siedelten sich protestantische Glaubensflüchtlinge in der Kurpfalz, in Baden und in Württemberg an. Der württembergische Herzog Eberhard Ludwig nahm etwa 2500 Glaubensflüchtlinge auf, die meisten waren Waldenser, die aus dem heute italienischen Piemont vertrieben worden waren. Der pfälzische Kurfürst Karl II. wie auch der badische Markgraf Friedrich VII. Magnus erlaubten es Hugenotten aus Frankreich, sich in ihrem Hoheitsgebiet anzusiedeln.

Ihre Aufnahme geschah allerdings nicht ohne Hintergedanken: Die Ländereien waren durch den Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) sowie die Einfälle französischer Heere während des Pfälzischen Erbfolgekrieges (1688-1697) stark entvölkert. So wurden in den Waldensern und Hugenotten willkommene Kräfte zur Besiedelung und zum wirtschaftlichem Wiederaufbau gesehen.

Durch Kraichgau und Heckengäu zieht sich heute der rund 2000 Kilometer lange europäische Kulturfernwanderweg „Hugenotten- und Waldenserpfad", seit 2013 vom Europarat anerkannt als „Europäische Kulturroute". Viele Waldenser- und Hugenottenorte liegen wie Perlen auf einer Schnur an der Wegstrecke des seit 2012 durchgehend markierten Wanderwegs: Neuhengstett, Perouse, Wurmberg, Serres, Pinache, Dürrmenz, Schönenberg, Corres, Kleinvillars und Großvillars. Weitere Städte und Gemeinden in der Region wurden in ihrer Entwicklung historisch von den Glaubensflüchtlingen geprägt, so beispielsweise Calw, Simmozheim, Mühlacker und Pforzheim.

(enz)

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