„Hugenotten- und Waldenserpfad: Die europäische Kulturroute in der Region" – eine gemeinsame Ausstellung der Waldenserkolonien im Kraichgau und im Heckengäu im Musikpavillon und auf dem Maulbeerplatz vom 18.-21.August 2015

Durch Kraichgau und Heckengäu zieht der ca. 2000 km lange europäische Kulturfernwanderweg „Hugenotten- und Waldenserpfad", seit 2013 anerkannt als „Europäische Kulturroute" durch den Europarat. Viele Waldenser- und Hugenottenorte liegen wie Perlen auf einer Schnur an der Wegstrecke des seit 2012 durchgehend markierten Wanderwegs: Neuhengstett, Perouse, Wurmberg, Serres, Pinache, Dürrmenz, Schönenberg, Corres, Kleinvillars und Großvillars. Weitere Städte und Gemeinden in der Region wurden in ihrer Entwicklung historisch von den Glaubensflüchtlingen geprägt, so z.B. Calw, Simmozheim, Mühlacker und Pforzheim.

Der historische Hintergrund:

Im ausgehenden 17. Jahrhundert siedelten sich protestantische Glaubensflüchtlinge in der Kurpfalz, in Baden und in Württemberg an. Der württembergische Herzog Eberhard Ludwig nahm etwa 2500 Glaubensflüchtlinge auf, die meisten waren Waldenser, die aus dem heute italienischen Piemont vertrieben worden waren. Der pfälzische Kurfürst Karl II wie auch der badische Markgraf Friedrich VII. Magnus erlaubten es Hugenotten aus Frankreich, sich in ihrem Hoheitsgebiet anzusiedeln. Die Flüchtlinge erhielten zur Erleichterung des Neuanfangs mehrere Privilegien und Steuerbefreiungen.

Ihre Aufnahme geschah nicht ohne Hintergedanken. Die Ländereien waren durch den Dreißigjährigen Krieg (1618–48) sowie die Einfälle französischer Heere während des Pfälzischen Erbfolgekrieges (1688-97) stark entvölkert. So wurden in den Waldensern und Hugenotten willkommene Kräfte zur Besiedelung und wirtschaftlichem Wiederaufbau gesehen.

Die Waldenser waren Bauern. Die wirtschaftlichen Erwartungen, die sich mit der Ansiedlung der Waldenser verbanden, erfüllten sich nur teilweise: die Seidenraupenzucht gab gewerbliche Impulse, auch die Einführung der Kartoffeln wird den Waldensern zugeschrieben. Die Hugenotten, meist Handwerker, gaben in einigen Städten, besonders in Pforzheim Entwicklungsanstöße durch Gewerbegründungen.

Bis heute sind die auf geometrischem Grundriss angelegten Straßendörfer der Waldenser erhalten. Ihre Anwesen sind geradlinig aufgereiht und einheitlich zur Straße ausgerichtet. Jede „Kolonie" pflegt ihre eigene Geschichte und Traditionen. Denkmäler, Museen und Kirchen erinnern an die besondere Herkunft ihrer Bewohner.

Auf der Gartenschau Enzgärten präsentieren die Waldenserorte auf dem europäischen Kulturfernwanderweg vom 18. -21. August 2015 im Musikpavillon ihr Kulturerbe und ihre örtlichen Besonderheiten. Präsentiert wird aber nicht nur die Geschichte, sondern es gibt auch viele spannende Angebote zum Mitmachen für Kinder und Erwachsene: Film- und Fotoschauvorführungen, Vorträge, Lesungen, Rate-Quiz, Stoffdruckwerkstatt, Spiele und anderes mehr. Auch die Deutsche Waldenservereinigung und der Verein Hugenotten- und Waldenserpfad werden sich mit einem Stand präsentieren. Wanderfreunde können den Routenführer „Der Hugenotten- und Waldenserpfad in Baden-Württemberg" am Stand erwerben.

Die Angebote bieten für jeden etwas: Wissenswerte Informationen über die Heimatregion und die besondere Geschichte der Glaubensflüchtlinge, Kontakte und Gespräche – aber auch Spiele, Spass und Spannung! Hierzu laden die Veranstalter herzlich ein.