Wissenwertes über die Hugenotten

DIE HUGENOTTEN:

Hugenotten ist die seit 1560 gebräuchliche Bezeichnung für die französischen Protestanten. Ihr Glaube ist stark von der Lehre Johannes Calvins beeinflusst. Die Hugenotten wurden in Frankreich insbesondere im 15. und 16. Jahrhundert stark verfolgt. Besonders die Verfolgungen unter Ludwig XIV. ab 1685 lösten eine Fluchtwelle von einer Viertelmillion Hugenotten in die umliegenden protestantischen Länder aus.

Das Hugenottenkreuz

Das weltweit verbreitete Hugenottenkreuz ist besonders in Frankreich zu einem Erkennungszeichen der reformierten Christen geworden.

Das Kreuz in seiner heutigen Form geht zurück auf den Orden St. Esprit (Orden vom Heiligen Geist), der auf dem mittelalterlichen Malteserkreuz gründet. König Heinrich III. von Frankreich stiftete den Orden St. Esprit im Jahr 1578. Im Unterschied zu diesem Orden, der die Taube im Zentrum des Kreuzes zeigt, hat das Hugenottenkreuz eine herabhängende Taube als Sinnbild für den heiligen Geist. In den vielen bekannten Variationen des Hugenottenkreuzes begegnet aber auch anstelle der Taube eine anhängende Träne als Zeichen der Leiden der verfolgten Kirche oder eine kleine Keule (trissou, pilon), die für den Glaubenskampf steht. Zwischen den Kreuzesarmen werden Lilien erkennbar, das Wappen der Bourbonen und damit Ausdruck der Königstreue der Hugenotten. Die acht kleinen Kreise an den Enden der Kreuzesarme symbolisieren die Seligpreisungen der Bergpredigt.

Über die Entstehung des Hugenottenkreuzes berichtet erstmalig der Prior von Bernis, Abbé Valette, in einer Schrift Der Aufruhr in den Cevennen. Danach hat der Goldschmied Maystre in Nîmes um 1688 das Kreuz entworfen und hergestellt. Es fand schnelle Verbreitung in der Stadt und ihrem Umfeld. Es wurde nach seiner Herkunft auch Kreuz von Languedoc genannt.

Der Name „Hugenotten“

In der Regel wird der Name Hugenotten von dem deutschen Wort Eidgenossen abgeleitet (eiguenot). Diese 1520 im französischen Genf entstandene Bezeichnung galt zunächst den Bundesgenossen der dortigen Calvinisten. Die Eidgenossen in Bern und Zürich unterstützten die Reformation in der Stadt am Genfer See im Kampf um die Freiheit von Savoyen.
In Frankreich wurden die Anhänger Calvins dann als Hugenotten verunglimpft. Der Name Hugenotte ist erstmals 1551 als Schimpfwort in einer Handschrift aus Périgueux in der Guyenne nachgewiesen. Damals bezeichnete man Bilderstürmer als böse Hugenottenrasse.

Ebenfalls als Schimpfname ist die Bezeichnung Hugenott 1560 im Gebiet um Tours an der Loire den Protestanten beigelegt worden. Von Ihnen behauptete die katholische Partei der Guise, sie hätten sich bei Amboise (unweit von Tours) gegen den jungen französischen König Franz II. verschworen, um ihn von den Herzögen von Guise zu trennen.
Zu der Namengebung mag beigetragen haben, dass in Tours (an der Loire) eine Sage von dem französischen König Hugues Capet umging, der in der Stadt des Nachts als Gespenst nahe dem Hugo-Tor durch die Straßen schweifte. Es lag nahe, auch in den ungeliebten Protestanten lichtscheue Elemente zu sehen. Sie versammelten sich nur nachts im Geheimen in Tours, um als kleine Hugos, als Hugenotten, angeblich Anschläge und Verschwörungen auf die Staatsmacht zu planen.

Wie immer die Entstehung des Begriffes Hugenotten zu erklären ist, er hat sich in Frankreich nach 1560 als Bezeichnung für die Protestanten durchgesetzt. In der Zeit der Hugenottenverfolgungen verlor der Name Hugenott seinen negativen Klang und wurde zu einer ehrenvollen Bezeichnung. Sie hat auch in Deutschland bis zur Gegenwart einen guten Klang.

Jochen Desel

Die Aufnahme der Hugenotten im deutschen Refuge

Die Hugenotten (reformierte Christen) als religiöse Minderheit waren in ihrer (katholischen) französischen Heimat jahrzehntelangen Drangsalen und Verfolgungen ausgesetzt. König Ludwig XIV. von Frankreich erließ im Oktober 1685 das Edikt von Fontainebleau, das faktisch die Ausübung des protestantischen Glaubens in Frankreich untersagte.

Daraufhin verließen ca. 170.000 reformierte Christen ihre Heimat trotz des Verbots der Krone. Sie begaben sich als Glaubensflüchtlinge in das sogenannte Refuge, vor allem in die benachbarten Niederlande oder auf dem Seeweg nach England, aber auch in deutsche Territorien, bzw. in kleineren Kontingenten in die USA, nach Kanada und nach Südafrika, wo sie den Weinanbau einführten.

Aus den protestantischen Hochburgen im Süden Frankreichs flüchteten viele Familien in die Schweiz. Ungefähr 40.000 Réfugiés zogen weiter nach Schaffhausen, Basel und rheinabwärts bis Frankfurt am Main, das zur Drehscheibe des Refuge wurde. Von dort erfolgte die Weiterreise in deutsche Fürstentümer und zwar vor allem nach Brandenburg-Preußen, das ca. 20.000 Réfugiés aufnahm. In Berlin war um 1700 jeder 4. Einwohner ein französisch sprechender Flüchtling. Knapp 4.000 Hugenotten gingen nach Kassel und gründeten im nördlichen Hessen ländliche Kolonien, andere nach Erlangen und andere Orte in Franken, nach Friedrichsdorf/Taunus, Offenbach und Neu-Isenburg ins südliche Hessen, in die Hansestädte und andere Zielgebiete. Die deutschen Fürsten privilegierten die Réfugiés mit Steuer- und Zunftfreiheit, selbständigen französisch-reformierten Kirchengemeinden und eigener Rechtspflege.

Die Aufnahme der Flüchtlinge in ihrem Gastland wurde selten zeitgleich, häufiger historisierend, bildlich dargestellt.

Repros: Gil-René d’Heureuse. Texte: Jochen Desel




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 HUGENOTTEN UND WALDENSER (PDF)